Eine neue Ameise - tulamoto.de

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„Auf eigener Achse" im März 2011


Alles begann mit Ebay. „Schau mal ich schick dir nen Link von nem total bekloppten Teil, dass angeboten wird"….natürlich war „Das Ding" wenige Tage später ersteigert und Christian konnte seinen Klick kaum fassen! Erworben war eine russische Tula Ameise in einem wohl fahrbereiten Zustand in verführerischen Rot.


Dieses Schätzchen (später auch liebevoll Arschlochameise genannt) stand nun in der tiefsten Oberlausitz, nahe der polnischen Grenze, im schönen Görlitz. Ein Plan wurde geschmiedet, denn Christian hatte eine feste Entscheidung getroffen: Ameise auf eigener Achse überführen! Ca 240 km…ergibt nach vorherigen Tulafahrterfahrungen ungefähr sechs Stunden, ohne schrauben. Da machte es auch nichts das das Teil schon 20 Jahre abgemeldet war.


Erste Tuchfühlung mit dem begehrten Objekt dann endlich, nach einer unruhig aufgeregt verbrachten Nacht, am Freitag, den 11.März 2011:

die Ameise des Grauens
ein echter Tulaidealist :-)

Der Zustand entsprach der Beschreibung in Ebay und es wurden fix in 2,5 Stunden wenige kleine Maßnahmen vorgenommen, um am Montagfrüh gleich zur Überführung starten zu können:


Geht „Es" an? Ja! Laut und Qualmend…also hervorragend! Montage des Kennzeichens (groß, größer, LKW-Kennzeichen!), Benzinfüllstandkontrolle, Zündkerze, Licht, sowie Bewunderung der göldenen Schutzbleche und des russischen fantasiereichen Holzunterbaus (original! wirklich original!), sowie der schönen alten Patina.


So wurde nun nach dieser ersten Begegnung ein schönes Wochenende verbracht, aber gedanklich war Christian wohl oft bei seiner neuen TulaAmeise, oder besser „wie wird wohl die Fahrt nach Hause?"


Gut gerüstet mit Werkzeug und sämtlichen Tula- und MZ-Teilen, welche man mal so um- und ausbauen kann, ging es am Montag, den 14. März 2011 um 9 Uhr bei leicht bedeckten Himmel und gefühlten 15 Grad los:

Tula Rocker !!!

Christian wurde durch das Tulaservicecar, alias Fiat Punto, durch die Altstadt von Görlitz Richtung B6 gelotst. Auf den ersten Metern fand ein Anfreunden unter ruckeln, zuckeln, stottern und qualmen statt. Nach dieser kleinen Eingewöhnungszeit der Verliebtheit zwischen Tula und Mann ging es zielstrebig bis nach Löbau.


Kurz vor dem Ortsausgang, an einer der ersten roten Ampel, erzwang sich die Ameise ihre erste Pause! Gang raus…Tula aus! Und sie entwickelte ein eigenes prinzessenhaftes Wesen…Sie wollte nicht mehr an gehen und wurde deshalb kurzer Hand auf einen Fahrradweg geschoben. Das vollgepackte Tulaservicecar (kurz TSC) eilte zur Hilfe und so begann nach km 30,5 und einer gefahrenen halben Stunde die erste Reparaturmaßnahme:


  • Überprüfung und Wechsel der Zündkerze
  • Vergasernadeleinstellung von oberster in die mittlere Kerbe


Tula Service Car

Tula springt brav an und so geht es zwanzig Minuten später vergnügt und lustig weiter auf der B6 Richtung Bautzen.


Menschen am Straßenrand (und auch die, die noch 100 m von diesem entfernt sind) drehen sich um, sind erstaunt. Manche lachen, manche schütteln verwirrt den Kopf, oder sind einfach verwundert über diesen ungewöhnlichen Anblick eines vollkommen glücklichen schwarzgekleideten Mannes und einem roten lauten Etwas.


Nach 30 Minuten Fahrt und weiteren16 km möchte die Ameise wieder vermehrte Aufmerksamkeit. An einer roten Ampel geht sie aus und nicht mehr an! Zum Glück direkt neben einem Baumarkt in Auritz (2 km vor Bautzen). Also das gute Stück dahingeschoben, TSC daneben geparkt und die zweite Rate- und Bastelstunde unter erschwerten Bedingungen (Gülletraktor am Feld daneben)beginnt:


  • Zündkerze? i.O.
  • Benzinfilter? Nicht vorhanden! Nur einen groben Filter am Benzinhahn: stark verdreckt, naja. Also diesen gereinigt und einen zusätzlichen durch kappen des Benzinschlauches eingebaut.
  • Kerzenstecker kaputt- es wird auf die gute alte Tulatechnik umgerüstet und aus den zahlreichen Ersatzteilen ein original russisches Teil eingebaut und so gegen „Schei…Westzeug" ersetzt.
  • Dynastarter streikt- Batterie streikt! Also diese gegen eine neue ersetzt: eine Hawker Genesis 24 Ah (Laverdatechnik)
  • Nun Fehlerquellenbeseitigungstechnik: Luftfilter ausbauen
  • Vergaserdüse weiter reingeschraubt, die war lose
  • Wechsel der Zündspule und des Kondensators


farblich passende Zange

Nach 70 Minuten schrauben auf dem Parkplatz des Baumarktes geht es im Konvoi mit leichtem Sprühregen auf der B6 weiter Richtung B96.


Die Fahrt läuft gut, das Wetter wurde wieder besser, sogar Sonne begleitete uns und so kamen wir nach Senftenberg. Dort hielten wir an einer Tankstelle um das nötige Ambrosia für die Tula zu beziehen und für uns ein Eis und Mettbrötchen.
Beim losfahren zeigt die Ameise wieder Charakter und mochte nicht starten. Also Helm wieder runter, Handschuhe aus und Diagnostik.


  • Check Zündkerze: schön schwarz, funzt und feucht: Super!
  • Check Zündspule durch ab- und anklemmen(vielleicht hilft es ja)
  • Letztendlich Starthilfe durch Überbrückung vom TSC, da auch die neue Batterie durch vermehrte Startversuche schlapp macht


Tula Muravej
Tula Muravey

Es funktionierte! Warum weiß niemand. Schön fleißig Zwischengas geben durch TSC-Fahrerin, während sich der Tulabezwinger startklar kleidet und nach einer Stunde schrauben losfahren kann.


Weiter geht es mit fast regelmäßigen 40km/h quer durch den Osten. Bergauf 30km/h und bergrunter sogar mal 70 km/h.


Nach einer Stunde Fahrtwind, davon galoppierender Ponys und einer immer lauter zu werden scheinenden Tula (später stellt sich heraus, sie ist auch lauter geworden! Da die Dichtung vom Krümmer zum Auspuff wegvibriert ist), der vierte von der Ameise erzwungener Stopp!


Irgendwo im Nirgendwo. Nun ist das Kupplungsseil gerissen! Bei Kilometer 171,2! Jetzt folgt, ganz klar, einfach das Kupplungsseil wechseln! Aber das ist nicht so einfach wie erst gedacht, denn die mitgenommen MZ- Ersatzzüge sind alle zu kurz! Bei der Ameise werden diese nämlich unter dem Blechkleid durchgeführt und sind somit länger. Nach etwaigen Stirnrunzeln und scharfen Nachdenkens ist klar: es wird nicht aufgegeben!


Also Tula mal vorne nackig machen ( Christian voller Eifer: „ ist ja auch so total interessant" )
und ein neues MZ-Kupplungsseil semiprofessionell angebracht, sowie ein loses vorgefundene Kabel von der Elektrik befestigt.

TSC mit dabei
Bowdenzüge einkürzen

Elektrikchaos
direkter Anlschluss des Kupplungszuges

Wieder wollte unsere nun umgetaufte ArschlochAmeise nicht anspringen und bekam Starhilfe durch das nun unersetzlich gewordene TSC:

Starthilfe vom Servicecar

Diese kleine Bastelaktion dauerte 1,5 Stunden und es ging voller Zuversicht, ohne Motorabdeckung weiter. Nach einer viertel Stunde und knapp neun Kilometern entschließt sich Christian den seit dem letzten Stopp unrundlaufen, sowie ruckeln und zuckeln seiner Ameisenkönigin nachzugehen und hält am Straßenrand. Das TSC zur Stelle, jetzt mit einer Fahrerin die sich langsam über die Auswirkungen einer Kohlenmonoxidvergiftung Gedanken macht.
Verdachtsdiagnose diesmal: die Elektrik! Also den Sitz wieder runter und ins Innenleben der Tula geschaut: Therapie: Zündkerzentausch. Dies war nun der kürzeste Stopp und es geht nach einer viertel Stunde ohne Startschwierigkeiten weiter.

fast zu Hause

Kaum zu glauben und doch war, kommen wir nach zwei Stunden ohne Zwischenfälle am Zielort an. Es ist erst 18.45 Uhr und es liegen 258.6 km und fast zehn Stunden Abenteuer hinter uns!


Das TSC hat so wenig Sprit wie zu seinen schlimmsten Autobahnschneezeiten verbraucht.Die Fahrerin ist froh, nur ein bisschen Kopfschmerzen von den Abgasen zu haben und Christian freut sich, dass sein Bein nicht durch die fehlende Motorabdeckung vollkommen verbrannt ist!


Und natürlich sind alle froh, dass die AmeisenTulaKönigin nun in ihrem neuen Zuhause angekommen ist.

@ Home

Und warum wurde die Ameise auf eigener Achse überführt.......das Frage ich mich bis heute ! Aber es war verdammt lustig , unbedingt wiederholungswürdig und ist zur Nachahmung empfohlen.




Die fleissige Berichterstattung wurde durch die Lieblingskatja durchgeführt.